Wieder unten angekommen

Die letzten Monate habe ich mir für jeden neuen Tag einen Neuanfang geplant. Jeden Abend habe ich mich für den neuen Tag vorbeireitet und mir Pläne gemacht. Ich wollte einen neuen Anfang und zwar in jeder Hinsicht und jeden Tag neu. Aber jetzt bin ich müde geworden und ich kann nicht mehr jeden Tag neu anfangen. Ich kann mich nicht jeden Abend auf den nächsten Tag freuen, weil jeder neuer Tag so anstrengend und lange ist, dass ich einfach aufgegeben habe weiter zu hoffen und denken.

Ich gehe müde ins Bett und wache müde wieder auf, ohne dem Gefühl was neues schaffen zu können und ohne der Kraft wieder neu anzufagen. Vielleicht weil ich alleine bin oder weil ich alleine sein möchte.... ich weiß nicht...Das einzige was ich weiß, ist, dass ich nur noch funktioniere und das auch noch unproduktiv. Ich schaffe durch meine funktion nichts...und das ist das schlimmste an der Sache. 

18.11.07 21:30, kommentieren

Mia ist wieder da...

Es ist einfach so passiert...Ohne Vorwarnung, ohne Anzeichen...Ich lag einfach nur da und plötzlich packte mich die unstillbare Lust auf Essen. Ich dachte, ich hätte es hinter mir...Alles überwunden und glücklich davon gekommen. Aber nun ist sie wieder da und sie wird nicht gehen. Ich ging wie ferngesteuert in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Ich nahm mir alles raus, was mir in die Finger kam. Süßes, Fleisch, Fisch, Brotaufstrich, Marmelade, Brot, Süßigkeiten, Eis, Kekse...Ich aß alles in mich hinein ohne nachzudenken, es war ganz automatisch. Das ganze dauerte ca. 45 Minuten, bis ich mich auf einen Stuhl setzte und mir klar wurde, dass sie wieder da war. Ich aß "dumm", früher als ich meine Fress-kotz Orgien noch täglich hatte, hatte ich einen ausgeklügelten Plan, wie ich was und wann essen kann. Naja, ich ging wie immer vor, nahm eine Flasche Wasser, erwärmte diese und trank sie ganz aus. Die Übelkeit trat schon nach einem halben Liter ein und trotzdem trank ich die Flasche leer. Früher habe ich manchmal drei oder vier Liter getrunken, bis ich das Gefühl hatte, endlich kotzen zu können. Ich ging ins Badezimmer und kniete mich möglichst vorsichtig, wegen meinem Fuß hin. Und dann ging es los...Ich spührte wie mein Herz schneller schlug, wie sich meine Gedärme verkrampften und meine Augen feucht wurden. Nach dem ersten Durchgang konnte ich kaum noch atmen und ich begann zu schwitzen. Mein ganzer Körper zitterte und trotzdem steckte ich drei Finger in meine Kehle und kotze so gut es ging... Nach ca. einer halben Stunde konnte ich nicht mehr. Ich machte benommen das Klo sauber und schleppte mich in mein Zimmer. Mit brummenden Kopfschmerzen und völliger Erschöpfung wurde mir bewusst, dass sie wieder da war...meine alte verhasste Freundin Mia

26.10.07 12:59, kommentieren

Ich werde heiraten....

ja und zwar meinen tollen Orthopäden...Ich weiß, ich klammere wie eine wahnsinnige, aber wenn ich niemanden habe, dann muss ich alles greifen, was mich irgendwie berührt. Und wen sonst, wenn nicht den Menschen, der mein Leben in den Händen hatte? Nein, jetzt mal im ernst. Ich hatte schreckliche Panik vor der Op und er war für mich da... Es war ein ganz neues Gefühl für mich, endlich war ich nicht mehr so alleine mit meiner Angst. Und irgendwann habe ich mich dann einfach sicher gefühlt, aber trotz allem konnte ich mich nicht fallen lassen.

Die Op habe ich sehr schlecht überstanden, so schelcht, dass ich auf die Intensivstation musste... Dauernd waren Ärzte und Krankenschwestern um mich und alle wollten wissen wie es mir ginge und jeder einzelne war besorgt um mich. Mir war das so neu, dass es mir schon unangenehm war. Ich schämte mich dafür, dass es mir schlecht ging. Meine Freunde liesen sich natürlich kein einziges mal blicken...Aber ich habe das auch nicht erwartet, ich weiß, dass ich alleine bin und damit muss ich klar kommen.

25.10.07 23:37, kommentieren

Der Anfang

Ich dachte eigentlich, dass ich sowas nicht mehr nötig hab und mein Leben wieder unter kontrolle habr und alles wieder normal läuft....wie immer halt! Eine geregelte Arbeit, eine halbwegs normale Ernährung ohne Bulimie und der Magersucht, mit Freunden und einer schönen Zukunft. Doch was muss passieren um das ganze zu vergessen? Vielleicht die Tatsache, dass mein scheinbar so tolles Leben ein Trugbild war? Voller schnipsel, die ich zusammengesammelt hatte um mich glücklich zu machen. Die erkennung der Tatsache kam für mich leider ziemlich einschlägig und plötzlich, von einem Moment zum anderen änderte sich alles. Meine Stimmung, mein Körper, meine Ansichten, mein Leben... Und plötzlich merke ich, dass ich ganz alleine bin, auf dieser Welt. Mein Job ist eine reine Ausbeutung und zwingt mich zu funktionieren, bis zum äußersten. Meine Ernährung ist ein weiterer Kampf mit mir selber, meine Zukunft existiert nur in meiner Fantasie und meine Freunde... Ja meine Freunde...Bis vor kurze,, waren sie die Erfüllung meines Lebens, denn ich dachte, ich hätte welche. Ich dachte, ich wäre stark und unbesiegbar mit ihnen hinter mir, aber ich war die ganze Zeit alleine, ohne Rückendeckung. Wie ich auf sowas komme? Genau vor einer Woche änderte sich mein Leben von einer Sekunde zur anderen. Man könnte sagen, dass ich durch einen Fall , meine Rosarote Brille verlor^^ Dieser Fall war real, denn ich brach mir dabei zwei Fußknochen, nur war mir das noch nicht bewusst. Ich bin nicht so empfindlich, was schmerz angeht,darum wollte ich uns den Samstag nicht verderben und versuchte den Schmerz, der immer stärker wurde zu ignorieren. Doch so ein Bruch ist schon mehr, als nur ein blauer Fleck oder ein Stoß, also brach ich nach ein par Metern schon zusammen und der Abend war gelaufen. Meine beste Freundin machte sich nicht viel daraus und fing an mit ihrem Freund zu streiten. Die Tatsache, dass ich heulend auf dem Boden lag, war nebensächlich für alle...Denn der Streit eskalierte und die beiden gingen und ließen mich alleine. Nach langem liegen und der Hoffnung die Schmerzen würden vergehen, rief ich einen Krankenwagen, der lange auf sich warten lies. Anscheinend wurden meine Freunde durch das Blaulicht wieder angelockt, denn plötzlich standen sie zu dritt vor mir und kümmerten sich rührend um mich. Heulend und in einem schockartigen Zustand fuhren wir in ein nahegelegenes Krankenhaus, wo ich endlich behandelt wurde. Völlig verstört und ängstlich klammerte ich mich an jedes bekannte Gesicht, aus angst alleine gelassen zu werden. Immerhin war es mitten in der Nacht und in einer fremden Stadt, ich denke mal, dass jeder angst gehab hätte...!?!?! Nun, was ich nicht wusste, war, dass die zwei noch nicht mit dem Streiten fertig waren und ich nach dem Röntgen nur ihren Freund sah und ihn mit in das Behandlungszimmer zog. Immernoch heulend bekam ich dann die Diagnose und eine hysterische beste Freundin, die ins Zimmer platzte und mich wie eine irre anschrie.  Was wäre ich denn für eine Freundin, wenn ich mich auf seine Seite schlage und sie hintergehe. mit voller Absicht...heulend, im Schockzustand und mit zwei gebrochenen Knochen? Verzweifelt und überfordert versuchte ich ihr klar zumachen, dass mein einziger Gedanke im Moment leider nicht ihr galt sondern der schrecklichen angst alleine gelassen zu werden. In dem Moment fingen sich die zwei anderen Jungs an zu kloppen. In einem Behandlungszimmer...neben ihrer angeblichen besten Freundin, die jetzt nochmehr heulte als zuvor. Natürlich kam auch gleich der Sicherheitsdienst und ich wurde in ein anderes Zimmer geschoben. Völlig aufgelöst und ganz alleine lag ich nun da und musste der Polizei auch noch die Situation erklären. Im Gedanken betete ich zu Gott, dass sie draußen auf mich warten würden!!! Doch sie warteten nicht... Nach ca. 1 Stunde wurde ich mit zwei Krücken, einem Gips bis zum Knie und einer Tüte mit meinen Sachen zum Notausgang geführt und verabschiedet. Nun stand ich da...alleine...Ich versuchte jeden von ihnen zu erreichen, doch keiner ging ans Handy ran. Im schlimmsten Augenblick der letzten Jahre und in dem Moment wo ich am verletzlichsten war und meine größte angst offenbarte, nämlich das allein sein, wurde ich verlassen. Ich stand da, mit offener Seele und ohne meiner rosaroten Brille.

Ich habe es nach Hause geschafft und ich lebe auch noch, doch diese wunderbare Brille, die mir die Welt zeigte, die ich haben wollte ist zerstörrt... In dem Augenblick, wo ich meine Freunde am meißten gebraucht habe, waren sie nicht da, niemand stand hinter mir...In dem Moment, wo meine meterdicke Schutzmauer einstürzte und meine vernarbte Seele nach Schutz suchte, war keiner meiner geliebten Menschen da. Ich war einfach alleine...

Meine Mauer steht wieder, dicker als je zuvor... Doch diese schreckliche angst, die mich jeden Tag zur verzweiflung bringt ist mit meiner Seele eingemauert. Denn ich bin alleine und zwar ganz alleine...

1 Kommentar 14.10.07 01:09, kommentieren